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Liebe Leserinnen und liebe Leser, liebe Freunde und Freundinnen der Meere,

wir sind mitten in den Vorbereitungen für den #GivingTuesday am Dienstag. Dieser Giving Tuesday wird für uns ein besonderer, da wir an diesem Tag unser neues Projekt vorstellen. Eine Kampagne, die all unsere anderen Projekte bündelt und verbindet, eine weitreichende Kampagne im wörtlichen Sinn. Alles Weitere verraten wir am Dienstag, hier im Newsletter und auf unserer Website.

Warum ein neues Projekt und warum am Giving Tuesday? Dieser Dienstag wurde vor über einem Jahrzehnt als Remedium ausgerufen, um nach den Tagen, die jetzt noch vor uns liegen, zur Besinnung kommen zu können. Gestern war Thanksgiving, eine Welle an kleineren und größeren Dankbarkeitsritualen ging um den Globus, ab heute werden atemlos Warenkörbe angeklickt und Paketboten bis zur völligen Erschöpfung mit Pappkartons durch Tag und Nacht geschickt. Am Dienstag kann dann jede:r wieder etwas zurückgeben von dem, was dann noch übrig ist, an die, die sich „um den Rest“ kümmern. Auch wenn dieser Tag in Deutschland noch nicht so bekannt ist, ist er weltweit der Tag mit dem höchsten Spendenaufkommen.

Das Schöne ist, dass alle Organisationen, die sich beteiligen, gemeinsam an diesem Tag daran erinnern können, dass wir alle im selben Boot sitzen und nur wenn wir teilen unsere Fahrt fortsetzen können, ohne kieloben zu gehen. Ihr, die ihr als Abonnent:innen dieses Newsletters dieser Erinnerung gar nicht bedürft, könnt die Gelegenheit dazu nutzen, um anderen außerhalb der Blase von uns und unserer Arbeit zu erzählen. Und wer uns dann unterstützen kann und mag, kann dies mit einem Bonus: alle an diesem Tag eingehenden Spenden werden verdoppelt.

„Von uns und unserer Arbeit erzählen“ - hier ist der Ansatz für die andere Frage: warum ein neues Projekt? Ihr werdet - wie wir - gemerkt haben, dass es schwierig ist, das in einem Satz zu sagen. Die kümmern sich um die Meere. Manchen reicht das als Erklärung. Aber wenn es konkreter wird, wird es kompliziert.

Als DEEPWAVE von Onno Groß 2003 gegründet wurde, wurde das Wort Wissenstransfer noch gar nicht so benutzt wie heute, mir ist es nie begegnet, und dennoch ist genau das unsere Aufgabe. Durch die befreundete Wissenschafts-Community ging damals ein Freudenfeuer: endlich mal jemand, der übersetzt, was wir machen. Und zeigt, wie essentiell Wissen für sinnvolles wirksames Handeln ist. Das tun wir immer noch tagtäglich, jede:r kann sich bei uns - wie es Frank Schätzing einmal auf den Punkt gebracht hat - jede Information in der spezifisch gewünschten Tiefe und Differenziertheit holen.

Aber das als Erklärung unseres Einsatzes für die Meere reicht nicht mehr. Wir sind es allmählich über, immer wieder erklären zu müssen, was wir „eigentlich tun“.

Fangen wir damit an, was wir erreichen wollen. Was wollen wir verändern, wirklich bewirken, transformieren? Das Meer leidet, nicht nur seine Bewohner, seine Lebewesen, sondern das Meer. Als Ganzes. Auch ein Ökosystem kann leiden. Und wir – meine Generation – sind die, die das verbockt haben. Fragt die Jungen, die und deren Kinder und Kindeskinder das ausbaden müssen. In unserem Team sind lauter junge Wissenschaftlerinnen, denen ihr Studienobjekt unter der Hand wegstirbt. Die das aushalten. Also haben wir die verdammte Verantwortung dafür zu sorgen, dass das nicht so weiter geht. Es ist ganz simpel. Und die Meere sind dabei kein Sidekick, kein Luxusproblemchen, das aus den Regierungsprogrammen gestrichen wird, wenn ein Absatz gekürzt werden soll. Wenn es überhaupt drin war, kein Scherz.

Wir in unserer Blase können uns meist gar nicht vorstellen, wie weit weg die Meere im Bewusstsein derer sind, die ihr Verhalten überdenken und bestenfalls ändern müssten, und derer, die als unsere politischen Vertreter dafür verantwortlich sind, für die umfassende Transformation zu sorgen, ohne die wir alle absaufen, verdursten oder verbrennen.

Aber ihr merkt schon: das negative Narrativ, das uns letztes Jahr aufgeschreckt hat, hat sich erschöpft. Es war gut und wichtig, selbst uns, die wir viel zu wissen meinten, haben die Kipppunkte, als sie immer drastischer mit jeder neuen Zahl ins Bewusstsein rückten, den Schlaf geraubt. Und Wut bis zu aufkeimender Verzweiflung provoziert. Wir brauchen die Wissenschaft, um zu wissen. Wir brauchen verrückte Wissenschaftler:innen, die bei 40 Grad minus in der Nähe des Nordpols monatelang auf einem Eisbrecher in der Polarnacht alleine mit ein paar Eisbären für uns forschen – wie auf der MOASiC Expedition -, wir brauchen die Details. Aber wir brauchen auch ein neues Narrativ, um sie zu nutzen. Wie können wir das negative Narrativ in ein positives wenden?

Dass es „den Meeren schlecht geht“ und dass das irgendwie geändert werden sollte, um die Klimakatastrophe in den Griff zu kriegen, wissen inzwischen eigentlich alle. Aber es ist so, als ob wir es nicht wüssten.

Die Drohung „wenn wir nicht bald das und das tun, dann…“ entspricht zwar den Tatsachen. Das ist Fakt. Mehr Fakt, als wir es uns vorstellen wollen. Aber das greift nicht, weil wir es uns eben nicht vorstellen wollen. Wir müssten den drastischen Konsequenzen ins Auge sehen, reinen Handlungsanweisungen: wir müssten ALLES ändern. Deshalb verzetteln wir uns auf Nebenschauplätzen. Das können wir Menschen unglaublich gut. Wir sehen unseren politischen Vertretern dabei täglich zu. Vergeuden unsere Zeit damit, ihnen dabei zuzusehen.

Das negative Narrativ hat uns aufgeschreckt, aber weil nichts geschieht, erschöpft es uns. Wir sehen jeden Tag Ereignisse, die uns wachrütteln müssten, uns und vor allem die Entscheider, die, die die Macht haben etwas wirklich im Großen zu verändern. Auf die wir angewiesen sind für die umfassende Transformation, auf die es ankommt. Wachrütteln müssten, es aber nicht tun. Im Gegenteil: die Reaktionen werden immer absurder, die Verstrickungen immer sichtbarer, die verhindern, selbst die scheinbar kleinsten Schritte zu tun hin zu den großen, die jetzt Not tun.

Das negative Narrativ läuft ins Leere.

Einige von uns versuchen im Kleinen alles richtig zu machen, aber ehrlich gesagt, wird es zunehmend schmerzlicher, das inmitten einer sich täglich steigernden Absurdität zu tun. Sein veganes Joghurt aus dem Glas zu löffeln und zu wissen, dass ein paar Kilometer weiter westlich Datteln4 ans Netz geht. Sich auf dem Rad durch Abgaswolken zu schlängeln, während um Tiefseebergbaulizenzen geschachert wird, die den Rohstoffhunger unserer Smartphones stillen sollen. Bisher war die Antwort auf das negative Narrativ: tun, handeln, sinnvoll, gemeinsam sind wir stark.

Aber auch das gerät jetzt ins Stolpern.

Fast alle Werte, Maximen, Kategorien, die hier in unserer wohlgenährten, auf Kosten anderer funktionierenden Welt unser Handeln strukturieren und bestimmen, sind, wenn wir ihnen direkt ins Gesicht schauen: genau falsch herum. Auf völlig absurde Weise genau anderes herum als sie es sein müssten, um unser Überleben auf diesem Planeten zu sichern. Um gerecht zu sein. Um uns zu ermöglichen, uns auf diesem Planeten als das zu verhalten, was wir sind: Gast.

Was wir erreichen wollen? Ein Verständnis, das so tief geht, dass es schlicht und ergreifend keine Wahl lässt, anders zu handeln, als es jetzt Not tut. Kein einziges ausflüchtendes Aber zulässt. Alles Handeln, alle Entscheidungen ganz einfach und selbstverständlich werden lässt. Und vor allem die Begeisterung weckt, etwas tun zu können. So wie es David Attenborough vermittelt: wir können zur Wiederverwilderung unseres Planeten beitragen, ja, jetzt, in den nächsten 10 Jahren können wir es. Was für eine wunderbare Chance.

Und hier setzt unser neues Projekt an:

© Faye Meijer, Marielle de la Fuente

Wir freuen uns, es euch am Dienstag vorzustellen,
bis dahin,
Anna Groß

P.S.: Kleiner Spoiler: das Bild an der Wand hat uns inspiriert (aus dem großartigen Film Under the Surface von Faye Meijer und Marielle de la Fuente, den wir auf unserem letzten Filmfestival gezeigt haben).


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