Nachdem wir gefühlt das letzte dreiviertel Jahr nur unterwegs waren, von einer Veranstaltung, Tagung, Konferenz zur nächsten, von Hamburg, Berlin, Bremen, Stuttgart, Århus bis Nizza, vom Uniworkshop, Podcast, Panel, Kampagnen-Launch bis zum eigenem Filmfestival, in politischen Meetings in Ministerien und im Bundestag, in Absprachen für die Unterzeichnung Offener Briefe und endlosen nächtlichen Positionierungsgesprächen ... nach all dem haben wir uns zusammengesetzt und überlegt, was das Eigentliche ist. Was fehlt. Was unser Newsletter sein könnte.
Er soll euch zukünftig nicht nur verlässlich regelmäßig begleiten, sondern euch auch inhaltlich eine Ahnung von Orientierung ermöglichen, so etwas wie einen Ruhepol bieten.
Eben wie im Auge des Hurrikans. Denn anders ist das hier gerade nicht zu haben.
Siehe das historische Gutachten des Internationalen Gerichtshofs von Mittwoch.
Wir sind bekannt dafür, dass wir in unseren Workshops und Paneldiscussions deutlich und direkt über das sprechen, was zurzeit vehement und erschreckend im Argen liegt, so katastrophal schief, das es wirklich schwer ist, den Kopf über Wasser zu halten und genug Luft zu haben, um klar denken zu können. Wir sind aber auch bekannt dafür, dass wir versuchen, all das so einzuordnen, dass Zusammenhänge und Lösungen sichtbar werden, die Mut machen und zum Handeln, zum aktiven Eingreifen und Gestalten anregen. Mut, selber Lösungen und Auswege zu suchen und gemeinsam mit anderen zu entwickeln und umzusetzen. Oder Lösungen, die es gibt, die aber niemand kennt, zu vermitteln, zu verbreiten und zu skalieren.
Oft erleben wir im Gespräch, wie wir Antworten auf Fragen entwickeln, die helfen, aus der erstarrten Ratlosigkeit in Bewegung zu kommen.
Wir halten sozusagen die Räuberleiter zum Verstehen und schließlich zum Handeln.
Das alles möchten wir nun versuchen greifbarer und sichtbarer zu machen, aus der kleinskaligen Situation des persönlichen Gespräches in eine Form zu bringen, in der mehr Menschen etwas davon haben: ihr, die Leser:innen dieses Newsletters und alle, die wir jetzt dazu holen.
Ich weiß, das ist ein großes, ziemlich waghalsiges Unterfangen und ich habe ehrlich gesagt auch ein bisschen Bammel davor, ob uns das gelingen wird. Aber wer nicht wagt ... Und vor allem können wir es gemeinsam versuchen: wenn ihr, die Leser:innen dieses Newsletters, ihn teilt und mit uns ins Gespräch kommt.
Was uns unsere tägliche Arbeit ermöglicht, möchten wir weitergeben an euch. Unsere meerespolitische, aufklärende, sich zusammen- und auseinandersetzende Arbeit bringt uns mit so viel enthusiastischen, begeisternden und unerschrockenen Menschen, Projekten, Ideen, Studien und engagierten Communitys in Verbindung, dass wir das mit euch teilen möchten.
Denn jeden Tag stellen wir fest, dass genau das fehlt. Jeden Tag, wenn wir uns informieren, wenn wir uns den "Fehlerbericht" zur Lage zuführen - denn nichts anderes sind Nachrichten ja - , dann sehen wir in den Bereichen, die wir hier durch unsere Arbeit von ganz nah ganz genau kennen, wie schief, löchrig, verzerrt, fehlfarbig dieser Fehlerbericht ist.
Es wird nicht so berichtet, wie es uns in unserer Arbeit begegnet. Es bleibt beim Fehlerbericht. Aber es gibt keine Katastrophe, aus der es keinen Ausweg gäbe. Nur wenn wir es dabei belassen und uns wegdrehen.
Es wird nicht so berichtet, wie es nötig wäre, um die Dinge zu ändern: nämlich positiv, mutig, zuversichtlich, engagiert, erfinderisch, bei besonders guten Lösungen oder Auswegen sogar euphorisch. Daher betrachte ich genau das als unsere Aufgabe: das, was unsere Arbeit ausmacht, für euch greifbar zu machen, mit unserem Newsletter zur Verfügung zu stellen.
Fangen wir also mit dem Aktuellsten und dem zufällig für uns Wichtigsten an: nämlich der gerade in Jamaica stattfindenden 30. Sitzung der International Seabed Authority.
Alle, die sich mit Tiefseebergbau befassen - und wer unsere Arbeit kennt, weiß dass das in letzter Zeit unser Hauptcampaigning-Thema ist - , hat mit Bangen auf diese wichtigste Sitzung der letzten sagen wir mal 40 Jahre geschaut.
Da ihr in vielen der zukünftigen Newsletter noch viele Details dazu hören werdet, heute nur die Zusammenfassung:
Es ist genau das nicht eingetreten, vor dem wir uns alle gefürchtet haben: dass das Go für den Tiefseebergbau gegeben wird, sondern im Gegenteil.
Weder ist der derzeitig amtierende Präsident - nicht zu verwechseln mit der Secretary General Leticia Carvalho (deren großartige Eröffnungsrede mahnend den Weg aufzeigt) - mit seinem Vorstoß durchgedrungen, die Verhandlungen komplett intransparent werden zu lassen u. A. durch Ausschluss der Zivilgesellschaft, weil sich genügend Staaten vehement dagegen gewehrt haben gleich zu Beginn der Sitzung. Noch ist schnell schnell hoppla die hopp ein Mining Code verabschiedet worden, mit dem dann der Startschuss zu den Ausbeutungslizenzen gegeben hätte werden können. Außerdem ist die gefährliche Idee, die bei einer vorherigen Sitzung aufkam, nämlich mit einer Roadmap die Erstellung des Mining Codes zu forcieren, fallengelassen worden, weil vernünftigerweise festgestellt wurde, dass wir - also die Menschheit as a whole, der nämlich die Mineralien gehören, die da rausgeholt werden sollen, laut dem Internationalen Seerechtsabkommen -, wenn wir diesen Bergbau irgendwann mal haben wollen (was wir hier bei DEEPWAVE natürlich nie haben wollen), dann sollten wir wenigstens so etwas wie vernünftige Regularien haben, was der Mining Code wäre, aber wenn wir wirklich ausschließen wollen, dass dem gemeinsamen Erbe der Menschheit kein irreversibler Schaden zugeführt wird, dann müssen wir uns Zeit geben. Genügend Zeit, die, die es braucht. (Nicht nur um weiter zu forschen, sondern auch um zur Besinnung zu kommen). Und last but not least hat die ISA eine sehr deutliche Warnung an alle Staaten und Unternehmen ausgesprochen, die unter Missachtung des Völkerrechts und unter Missachtung der einzig und allein dafür zuständigen UN Behörde in Wildwestmanier lustig auf eigene Faust mal losbaggern wollen.
Wenn das keine guten Nachrichten sind, dann weiß ich auch nicht, dann ... will man keine guten. Und wem das alles Spanische Dörfer sind, kann sich auf das Longread zum Thema freuen, das wir gerade erarbeiten. Oder sich die unten in den Tipps angeführten Podcasts anhören. Oder auf die nächsten Newsletter warten.
Bis übernächsten Samstag, und dann erzählen wir euch auch, was wir noch so alles Schönes mit dem Newsletter und euch vorhaben,