Liebe Freund:innen der Meere, liebe Ozean-Enthusiast:innen, liebe Mitstreiter:innen,

willkommen zum Logbucheintrag #9: Im Dschungel. Mit Dschungel ist hier nicht der Amazonas-Regenwald bei Belém gemeint, wo alle gerade hinschauen, sondern der Dschungel der Meerespolitik, den wir für euch lichten möchten.

Was Meeresschutz eigentlich ist, dazu bräuchte es einen ganzen Newsletter, heute wollen wir euch unser wichtigstes Projekt dazu  kurz und knapp vorstellen: den KLARTEXT Meerespolitik.

Prompt poppt die erste Frage dazu auf: Warum befasst ihr euch eigentlich mit Meerespolitik und schützt nicht einfach das Meer? Die Schrauben …

Meeresforschung hat nicht nur mit Pipetten, Mikroskopträgern, feinen Graphen auf flimmernden Bildschirmen, Joysticks, die ROVs steuern zu tun, sondern mit Schrauben. Wenn auf einem Forschungsschiff weit draußen im Nirgendwo etwas kaputt geht, muss es mit allem, was sich an Bord finden lässt, repariert werden. Schrauben und Schraubendreher spielen eine wichtige Rolle, und daher haben wir irgendwann angefangen von Schrauben zu reden. Wenn ich etwas reparieren will, was ziemlich dringend repariert werden muss, dann drehe ich an allen Schrauben, an denen es nötig ist und zwar gleichzeitig und nicht in großen Abständen vielleicht mal hier eine und dann vielleicht mal da eine und dann vielleicht da ein bisschen ...

Und daher arbeiten Meeresschutzorganisationen politisch. Grob vereinfacht gibt es drei Schrauben:

  • das Verhalten des Individuums
  • die Politik
  • die Wirtschaft

1) wird immer schön in die Pflicht genommen, wenn 2) versagt und 3) etwas ganz anderes im Sinn hat, als die Meere und unsere Lebensgrundlagen zu schützen.

Um die Meere zu schützen und wiederherzustellen (schützen reicht nicht mehr), müssen 1) 2) und 3) zusammenarbeiten. So wie die Dinge gerade im Argen liegen, liegt der entscheidende Hebel bei den politischen Entscheider:innen. Alles kommt darauf an, dass die Entscheider:innen die Entscheidungen entscheiden, die entscheidend sind.

Wenn ihr zu den Entscheider:innen gehört, an einer Uni arbeitet, studiert, promoviert oder lehrt, wenn ihr in einer Bildungseinrichtung lehrt, in der Lehrerfortbildung arbeitet, an Museen oder in einer NGO, dann nutzt den KLARTEXT Meerespolitik. Oder wenn ihr einfach schon immer wissen wolltet, wie BBNJ mit CBD zusammenhängt und die GFP mit OSPAR und HELCOM oder die VMEs mit MPAs …

Um die Probleme und Aufgaben einmal auf den Punkt zu bringen, haben wir 2020 gemeinsam mit 16 umwelt- und entwicklungspolitischen Organisationen (Brot für die Welt, BUND, Deutsche Umwelthilfe, DNR, Environmental Justice Foundation, fair oceans, Forum Umwelt & Entwicklung, Greenpeace, NABU, Misereor, Ozeanien Dialog, Pro Wildlife, Sharkproject, WDC, World Future Council, WWF) eine “Meeresoffensive” von der Bundesregierung gefordert. Und zwar erfolgreich: 2022 startete die damalige Regierung die Meeresoffensive für Artenvielfalt und Klimaschutz.

Seitdem ist in der Welt viel passiert, nur nicht im Meeresschutz, im Gegenteil. Deshalb haben wir uns erneut zusammengesetzt und unsere Vision einer Meerespolitik 2025 – Eine Zukunft für Meere und Mensch veröffentlicht.

Dieses Papier ist die Grundlage für unseren KLARTEXT.

Das Papier richtet sich an policy maker, also Menschen, die nichts anderes tun, als sich seit Jahrzehnten oder seit gestern, dafür aber den ganzen Tag und die ganze Nacht, mit bestimmten Themen zu beschäftigen, die politischer Natur sind. Dass das für andere, die anderes tun, kryptisch wirkt und sich manchmal mehr nach Loriot anhört als nach einem sinnvollen Text, könnt ihr euch denken. Wir aber haben uns gedacht, dass alle, die sich für den Meeresschutz einsetzen möchten und die dabei merken, wie wichtig Politik als Schraube ist, das Recht haben, zu verstehen, wie Meerespolitik funktioniert.  An welcher Schraube sie am besten drehen und wie und in welche Richtung. Also haben wir uns das Forderungspapier vorgenommen und dazu ein Erklärungstool gebaut.

Ihr könnt euch damit in der Bahn hinsetzen, kurz oder länger reinschauen, dank der Vollsuche landet ihr auf kürzestem Wege da, wo ihr hinwollt, ihr könnt aber auch komplett darin versinken in irgendwelchen Gesetzestexten, Studien, komplexen Grafiken, das ganze Ding ist ein Paradebeispiel für das, was unser Freund Frank Schätzing zu uns sagt: Bei DEEPWAVE bekommt ihr  jede Antwort auf jede Frage zu jedem Thema in der Tiefe, in der ihr sie haben wollt.

Das Ganze dauerte vier Jahre, nicht nur der Pandemie wegen, sondern weil wir dieses Papier inzwischen dreimal aktualisiert haben. Die Version, von der wir hier reden, ist die, mit der wir alle aktuell arbeiten. Das Forderungspapier mit seinen 29 Forderungen ist wie eine Menükarte: Alles was in den beiden deutschen und internationalen Meeren im Argen liegt. Die Frage kommt immer wieder: Wie das zusammenhängt. Ein Blick auf die Spillhauskarte erklärt alles. Wie sie aussieht, seht ihr in unserer App zur Meeresfibel. Alle Ozeane sind einer. Alles greift ineinander. Es gibt keine Grenzen. Alle Ökosysteme sind ein Ökosystem. Was die Meere angeht, muss nicht irgendwo ein Sack Reis umfallen, es braucht nur ein bisschen Krill, das irgendwo ein bisschen viel zu viel weggefischt wird und dann verhungern Wale und Strömungen verdrehen sich und … und so weiter und …

In den vier Jahren hat unser wechselndes Team fleißig recherchiert und Tagungen besucht, wir haben ein paar Programmierer an den Rand des Wahnsinns getrieben mit unseren Ideen, vor allem mit der, die Animationen von Oliver Wünsch rückwärts laufen lassen zu können, was einen starken psychologischen Effekt hat, und dann habe ich unseren Hauptautor auf die Reise geschickt, aber seht selbst

Und wer hat nun diese ganzen Texte geschrieben? Nico Czaja.
Hier sein Gruß an euch:

Als Anna Groß mich fragte, ob ich als Autor am KLARTEXT mitwirken wollte, habe ich gleich ja gesagt.

“Wer, wenn nicht ich!” habe ich geantwortet, oder etwas in der Art oder vielleicht auch nicht – und leise gehofft, dass sie nicht merkt, dass ich von Meerespolitik gar nichts verstehe.

Turns out: Sie hat es die ganze Zeit gewusst! Und am Ende ist ihr Plan aufgegangen. Ich konnte mich der Materie als Laie nähern, genauer: Als Laie mit viel Zeit, einem klaren Auftrag und ein bisschen Erfahrung [er untertreibt maßlos, Anmerkung von mir, Anna] im Recherchieren und Aufbereiten komplexer Zusammenhänge zu gut lesbaren Geschichten [genau deshalb habe ich ihn engagiert, sein unverwechselbarer Schreibstil hat auch unseren Förderer, die Okeanos - Stiftung für das Meer, überzeugt].

Wer sich viel mit einem Thema beschäftigt und sehr viel Wissen aufbaut, wird irgendwann ein bisschen betriebsblind. Einer solchen Person erscheint oft selbstverständlich, was für andere nur böhmische Dörfer sind – und sie verliert damit das Gefühl dafür, was für Außenstehende erklärungsbedürftig ist und was nicht.

In meiner Arbeit am KLARTEXT habe ich zahlreiche böhmische Dörfer auf eigene Faust als Tourist besuchen, mir selbst erschließen und für andere so beschreiben können, wie ich sie selbst kennengelernt habe. Und Anna hat mit ihrem Wissen dafür gesorgt, dass ich dabei nie ganz vom Weg abgekommen bin. Eine Kombination, die ich für meine Arbeit äußerst segensreich fand. Ob das im Ergebnis auch für unser Publikum [also euch] so funktioniert, wie wir es uns vorgestellt haben, werden wir jetzt erfahren, wo wir unser Projekt endlich in die Öffentlichkeit ausgewildert haben.[Die, die sich schon einmal in den KLARTEXT hineingewagt haben, sind begeistert.]

Ich habe mich in Konflikte zwischen Klima- und Naturschutz eingearbeitet, die mir aus meinem reinen Klimaschutz-Hintergrund heraus so gar nicht klar waren (Wie? Der Bau von Offshore-Windrädern hat ökologische Konsequenzen? DAS KANN ICH MIR NICHT VORSTELLEN), habe mit Anna konstruktiv darum gerangelt, wie die Güterabwägung zwischen Natur und Klima in jedem einzelnen Fall tatsächlich aussieht und wie man sie am besten erzählt – und wie die potentiellen Lösungen, die beide Belange miteinander versöhnen können (die gibt es fast überall!).[Nicht zu vergessen die unglaublich guten Quellen, die Nico aus dem Netz gefischt hat und über die auch Kolleg:innen staunten.]

Wir haben alles so versucht aufzuschreiben, dass es auch für Nicht-Profis eine gute Balance findet zwischen Faktentreue, Unterhaltsamkeit, Anregung und der notwendigen Schärfe. So hoffen wir, die komplexen Kernfragen des internationalen Meeresschutzes aufzuknacken und für mehr Menschen zugänglich, urbar, actionable zu machen.

Alles unter der Prämisse, dass es die Menschen nicht ins Handeln bringt, Probleme nur zu beklagen, ohne auch gleich mit Lösungen, Visionen und Hoffnung zu kommen: Die Welt ist schlecht, klar. Aber schaut mal hier, da ist sie schon viel besser geworden. Und da dort und da drüben – da können wir sie noch viel besser machen, und zwar so, also los.

Ich jedenfalls habe sehr viel gelernt, ich verstehe inzwischen tatsächlich ein bisschen was von Meerespolitik, wohl ein gutes Zeichen: Der Klartext erreicht sein Ziel!

Zumindest, wenn man ihn schreibt. [Ich kann euch versichern, das werdet auch ihr, wenn ihr ihn lest.]

Jetzt müssen wir den KLARTEXT nur noch unter die Leute bringen.
Mit schönen Grüßen von Nico

Seht selbst.

Wir lesen uns wieder am 29.11., wenn ich euch das diesjährige Projekt zum GIVING TUESDAY vorstelle. Bis dahin kommt gut durch die Woche, vielleicht könnt ihr ja schon irgendwo Schlittschuhlaufen, hier frieren die Seen gerade zu. Für uns geht es voller Vorfreude nach Tübingen, wo alles begann, der Abend im traditionsreichen Kino Museum ist schon komplett ausgebucht, wir berichten,

Eure Anna Groß
CEO DEEPWAVE

Wie ihr uns unterstützen könnt

Hier noch einmal zusammengefasst, was wir euch im letzten Logbucheintrag #8 ausführlich erklärt  haben.  Warum wir euch alle brauchen am 2. Dezember,  dem internationalen Tag des Gebens und Teilen, dem Giving Tuesday.

Spenden könnt ihr auf zwei Weisen:
1) Über unser Projekt „DEEPWAVE e.V. - Meeresschutz, der in die Tiefe geht!“ bei betterplace.

2) direkt auf unser Konto (für die Spendenbescheinigung ab 300 €, auf Wunsch auch darunter, brauchen wir eure Postadresse und eure Mailadresse)

Shop

Wenn ihr unbedingt etwas kaufen wollt, um uns zu unterstützen, könnt ihr auch das: NoStraws, also Keine Strohhalme. Eine andere Form von Spenden. Lässt sich übrigens auch gut verschenken. Kann jede:r gut gebrauchen. Und liegt nicht rum und verstaubt.

Die Jahresendspende. Wir freuen uns, wenn Unternehmen oder Privatpersonen zum Jahresende noch dringend Geld loswerden müssen und das dann für unsere Arbeit einsetzen.

Wir sind Bußgeldempfänger.

Immer wenn jemand etwas verbockt hat, das mit einem Bußgeld abgegolten werden kann, und wenn der Richter oder die Richterin von sich aus oder auf Empfehlung des Staatsanwalts oder der Staatanwältin mit dem Finger auf der ellenlangen Liste der Bußgeldempfänger bei DEEPWAVE stehen bleibt, dann bekommen wir das Bußgeld zugewiesen. Wenn ihr entsprechende Menschen kennt, dürft ihr (wir nicht) gerne auf den Verein hinweisen, der euch am Herzen liegt

Mitglied oder Patron werden

Über den finanziellen Beitrag hinaus könnt ihr euch als klassisches Vereinsmitglied mit uns verbinden.

Oder ihr werdet über die Plattform Patreon unser Patron, wo ihr zwischen den Mitgliedschaften Litoral, Bathyal, Abyssal und Hadal wählen könnt.

Anders als bei Künstlerpatronaten bekommt ihr bei uns keine speziellen Leistungen oder Goodies, sondern das, was wir eh machen. Die Staffelung der Tiers bezieht sich also auf die Tiefe der Verbindung zu uns. Euer Patronat ist eine freiere Form der Mitgliedschaft.

Ihr könnt eine solche Mitgliedschaft auch verschenken

EMPFEHLUNGEN

… gibt es diesmal nur eine: Probiert es aus! Viel Spaß mit dem KLARTEXT!

Das Logbuch abonnieren, weiterempfehlen und die vorherigen Ausgaben nachlesen
könnt ihr hier.


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