Aus der Tiefsee entspringt alles Leben (soweit wir wissen). Manganknollen produzieren in Tiefen von mehreren Kilometern und in ewiger Finsternis Sauerstoff. Wir verstehen fast nichts von dem, was in der Tiefe geschieht. Und jetzt bekommen wir zum ersten Mal in unserer menschlichen Geschichte die Möglichkeit, nah heran zu kommen. So nah wie noch nie. Und genau jetzt haben wir vor, das, was wir dort finden würden, zu zerstören.
Wir zerstören Wissen. Wissen, das wir nie wieder rekonstruieren können.
Warum? Weil in der Tiefsee Mineralien liegen, deren Metalle wir in unseren modernen Techniken nutzen. Allerdings haben wir davon schon mehr als genug. Dieses Wissen ist unbequem, weil wir Dinge ändern müssten. Uns ändern. Unsere Art zu wirtschaften und zu konsumieren. Dinge zu nutzen. Aber es ist genug da. Niemand muss das Ökosystem Tiefsee zerstören, weder für Waffen noch für die Geräte moderner Kommunikation, noch für die Energiewende.
Nichts anderes als Zerstörung wäre die Umsetzung von Tiefseebergbau im geplanten industriellen Maßstab.
Ignoriert wird, dass alles, was auf dem Meeresboden als mögliche Ressource herumliegt, uns allen gehört. Jedem und jeder Einzelnen. Heritage of Human Kind.
Was auch übersehen wird: Die größten Abnehmer weltweit voten für ein Moratorium und haben sich verpflichtet, keine Metalle aus der Tiefsee zu nutzen.
Selbst das Bergbauunternehmen, das den Abbau am meisten pusht und derzeit die internationale Staatengemeinschaft vor sich hertreibt, muss zugeben, dass die prognostizierte Rentabilität im Bereich der Fantasie liegt.
Warum also? Weil die Welt so funktioniert. Wo mit Profit gewedelt wird, zählen Natur und Vernunft nichts. Der geplante Tiefseebergbau ist ein Lehrstück in Missachtung des Völkerrechts, von Hyperkapitalismus und nicht zu vergessen der härtesten Art von Neokolonialismus.
Aber: Es gibt ihn noch nicht. Wir können ihn noch verhindern. Wie? Indem wir wissen. Und mit anderen unser Wissen teilen. Auch und vor allem mit den Entscheider: innen.
Lasst uns über den Tiefseebergbau sprechen, solange bis er fallengelassen wird als das, was er ist. Ein Irrtum.