Liebe Freund:innen der Meere, liebe Ozean-Enthusiast:innen, liebe Mitstreiter:innen,

herzlich willkommen  zum Logbucheintrag #15 – Am Kap der Guten Hoffnung. Als ich darüber nachdachte, an welchem Ort ich mit dem DEEPWAVE Schiff für diesen Logbucheintrag sein möchte, fiel mir sofort das Kap der Guten Hoffnung ein. Warum das so heißt? Weiß man gar nicht so genau. Von den portugiesischen Seefahrern im 15. Jahrhundert wurde es Kap der Stürme genannt, weil dort heftige Stürme ihre Schiffe gegen die gefährlichen Klippen in Küstennähe schoben, wo sie zerschellten.  Ein portugiesischer König reframte die Landspitze dann in Kap der Guten Hoffnung, vielleicht weil mit seiner Umseglung endlich der Seeweg zu den Gewürzen Asiens offen war. Manche meinen, es hieße so, weil die im Atlantik südwärts segelnden Seefahrer an dem plötzlich wärmeren Wasser merken, dass sie es bald geschafft haben, dass sie bald die südlichste Spitze Afrikas umschiffen können. Egal, heute geht es hier um das, was das Kap im Namen trägt.

Wenn ich den Newsletter schon letzte Woche geschrieben hätte, wäret ihr mit die Ersten gewesen, die von Santa Marta gehört hätten, inzwischen trudelt Santa Marta ja wie ein Mantra jeden Tag von überall her in die Postfächer. Nur, der Newsletter, den ich letzten Samstag schreiben konnte zum Thema Hoffnung, war so düster, dass ich ihn in die Tonne geharkt habe. Der Wellengang im Meeresschutz ist heftig. Und es bedarf guter, sehr guter Nachrichten, um nicht unterzugehen.

Also heute nur solche.

Am Mittwoch, dem 15. April hatte ich mich bei Covering Climate Now zum Press Briefing: The Fossil Fuel Phaseout Conference Is Days Away angemeldet.

Und ich saß mit offenem Mund vor dem Bildschirm, so etwas hatte ich noch nie erlebt. So etwas hatte ich mir in meinen Künsten Träumen nicht erträumt: Solch eine Energie, solch ein Mut, solch eine Zuversicht, solch eine Klarheit und Vorfreude sind mir seit Jahren nicht mehr aus einem Zoom Meeting entgegengeströmt.  Es ging um die First Conference on Transitioning Away From Fossil Fuels, die vom 24. bis 29. April in Santa Marta in Kolumbien stattfindet.

Es ist inzwischen allen bewusst, dass die Klima COPs uns nicht weiterbringen, weil sie durch die Abstimmungsmodi blockiert werden können. Und es ist auch klar, von welchen Staaten sie blockiert werden, besonders wenn die COPs selbst in einem dieser Staaten stattfinden.

Das Ganze wurde auf der letzten COP einigen Staaten zu bunt. Staaten, die wissen, dass wir, wenn wir jetzt nicht so schnell und so durchgreifend wie möglich das Verbrennen von Fossil Fuels ausfaden und beenden, dass wir dann unseren nachfolgenden Generationen keinen belebbaren Planeten hinterlassen. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Das ist auch den Fossil Fuel States klar. Nur: Geld schlägt Vernunft, vor allem, wenn es um sehr viel Geld geht.

Also haben sich auf der letzten COP ca. 85 like minded Staaten zusammengetan und beschlossen, sich zusammenzusetzen, um genau diesen Prozess des Ausfadens und Beendens auf die Spur zu setzen. Und das findet jetzt in Santa Marta statt. Fossil Fuel States wurden ebenfalls eingeladen und nehmen teil. Die Antwort auf die Frage Warum? Weil wir sie brauchen und weil sie selber bestens wissen, dass ihr Geschäftsmodell ein Auslaufmodell ist und dass sie sich irgendwann sowieso ein komplett Neues zulegen werden müssen. Also besser jetzt als zu spät.

Das was mich so begeistert und ermutigt hat bei diesem Press Briefing war, mit welcher Selbstverständlichkeit davon gesprochen wurde, dass dies kein Treffen ist, auf dem es darum geht, ob wir nun müssen oder nicht, sondern dass vorausgesetzt wird, dass wir müssen. Dass es dort in Santa Marta nur darum geht, diesen Prozess zu organisieren. Nicht mehr, nicht weniger. Das, worauf es ankommt. No negotiations. Implementation.

Wir alle wissen, wie abhängig wir von den Fossil Fuels sind, und daher sagte einer der anwesenden Journalisten, halb im Scherz: It is a kind of self-help group for states that want to help themselves overcome their addiction to fossil fuels.

Wenn ihr euch etwas Gutes tun wollt, macht euch einen Tee und nehmt euch eine Stunde Zeit für die begründete, ansteckende Zuversicht, dass wir unsere Sucht beenden können. Dass sich eine Welt denken und leben lässt ohne das Verbrennen von fossilem Zeugs.

Wenn ihr mehr wollt, könnt ihr den live Streams folgen.

So weit, so wunderbar. Drücken wir ihnen die Daumen.

Besonders, wie soll ich sagen, pikant fand ich, dass die nächste Klima COP drei Tage vorher am 21. und 22. April bei den Petersberger Klimadialogen in Berlin vorbereitet wurde. „Deutschland lädt ein“ heißt es dann. Und ich dachte: Wie merkwürdig muss das in der Welt aussehen, dass hier ein Staat einlädt, der eigentlich inzwischen zu den Fossil Fuel States gerechnet werden muss. Falls hier jemand einen direkten link zu Meeresthemen braucht: Korallensterben, Fischmigration, Versauerung, Heat Waves, Todeszonen … Ich dachte noch, kann ich doch so nicht schreiben. Bis mir ein Kollege das Cover der Woche schickte

Abb.: Cover Manager Magazin

Jetzt ist es sogar den Grauen Herren aufgefallen, dass da was nicht stimmt.

Zur nächsten Guten Nachricht: Unser Autor Nico Czaja war an unerwarteter Stelle zu Gast in einem Podcast zum Thema Hoffnung. Er ist hier bei uns dafür zuständig, mich immer wieder aus der Falle des Negativity Bias zu holen, in die ich, obwohl ich ständig selber davor warne, immer wieder tappe.

Wie er das macht, hört selbst:  Diesen einen Skill brauchen deine Kinder

Und wenn ihr nicht wie er euer Glück in Our World in Data und Fix the News finden könnt, versucht es mal damit: Kelp.

Abb.: Ben Wicks auf Unsplash

Kelp ist wunderbar, eine der größten, greifbarsten, essbaren Hoffnungen, die wir haben.
Macht euch sachkundig! Redet darüber! Und wenn es euch in den Fingern juckt, sucht euch ein Projekt und baut mit Kelp an. Wir helfen euch bei der Suche.

Und wenn ihr noch einen Sprung Hoffnung braucht: Schaut Benedict Cumberbatch zu, wie er fröhlich verkündet, er hätte jetzt die Rolle seines Lebens bekommen, er sei jetzt Coral Gardener. Und splash springt er jubelnd mit dem Satz "Now to the office!" ins Wasser.

Mit herzlichen Grüßen aus einem Frühlingsabend, der Flieder vor dem Fenster duftet in der Nacht,

Eure Anna Groß
CEO DEEPWAVE

EMPFEHLUNGEN

SAVE THE DATE Unser diesjähriges Filmfestival findet am 12. Juni wie immer im Lichtmesskino in Hamburg statt. Einlass 17:30, Beginn 18 Uhr. Kommt zuhauf, wir feiern dieses Jahr aus einem bestimmten Grund mit Erdbeerkuchen für alle!

Machen

Unsere PopUp Karten – hier im Video - könnt ihr bei uns for free bestellen, wenn ihr mehr über den Tiefseebergbau greifbar in Händen halten wollt. Wenn ihr euch wundert, warum wir sowas Tolles verschenken: Wir wollen das Thema halt so breit wie möglich streuen. Zu einer Spende sagen wir natürlich nicht nein. Und wenn ihr sie verteilt, unterstützt ihr uns beim Campaignen. Schreibt uns einfach über info@deepwave.org

Schauen 

A Teeter-Totter Style Bench Invites Sitters to Find Common Ground
Eine Wippe-Bank lädt die Sitzenden dazu ein, eine gemeinsame Basis zu finden.

Lesen

Was wir meinen, wenn wir Hoffnung sagen, auf das ich im nächsten Newsletter ausführlich eingehen werde. Mit Beiträgen von Josephine Apraku, Jojo Berger, Cornelia Funke, Julien Gupta, Marc-Uwe Kling, Raúl Krauthausen, Kristina Lunz, Baro Vicenta Ra Gabbert, Margret Rasfeld, Pheline Roggan, Gilda Sahebi, Maren Urner und Marina Weisband.

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