Am Mittwoch, dem 15. April hatte ich mich bei Covering Climate Now zum Press Briefing: The Fossil Fuel Phaseout Conference Is Days Away angemeldet.
Und ich saß mit offenem Mund vor dem Bildschirm, so etwas hatte ich noch nie erlebt. So etwas hatte ich mir in meinen Künsten Träumen nicht erträumt: Solch eine Energie, solch ein Mut, solch eine Zuversicht, solch eine Klarheit und Vorfreude sind mir seit Jahren nicht mehr aus einem Zoom Meeting entgegengeströmt. Es ging um die First Conference on Transitioning Away From Fossil Fuels, die vom 24. bis 29. April in Santa Marta in Kolumbien stattfindet.
Es ist inzwischen allen bewusst, dass die Klima COPs uns nicht weiterbringen, weil sie durch die Abstimmungsmodi blockiert werden können. Und es ist auch klar, von welchen Staaten sie blockiert werden, besonders wenn die COPs selbst in einem dieser Staaten stattfinden.
Das Ganze wurde auf der letzten COP einigen Staaten zu bunt. Staaten, die wissen, dass wir, wenn wir jetzt nicht so schnell und so durchgreifend wie möglich das Verbrennen von Fossil Fuels ausfaden und beenden, dass wir dann unseren nachfolgenden Generationen keinen belebbaren Planeten hinterlassen. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Das ist auch den Fossil Fuel States klar. Nur: Geld schlägt Vernunft, vor allem, wenn es um sehr viel Geld geht.
Also haben sich auf der letzten COP ca. 85 like minded Staaten zusammengetan und beschlossen, sich zusammenzusetzen, um genau diesen Prozess des Ausfadens und Beendens auf die Spur zu setzen. Und das findet jetzt in Santa Marta statt. Fossil Fuel States wurden ebenfalls eingeladen und nehmen teil. Die Antwort auf die Frage Warum? Weil wir sie brauchen und weil sie selber bestens wissen, dass ihr Geschäftsmodell ein Auslaufmodell ist und dass sie sich irgendwann sowieso ein komplett Neues zulegen werden müssen. Also besser jetzt als zu spät.
Das was mich so begeistert und ermutigt hat bei diesem Press Briefing war, mit welcher Selbstverständlichkeit davon gesprochen wurde, dass dies kein Treffen ist, auf dem es darum geht, ob wir nun müssen oder nicht, sondern dass vorausgesetzt wird, dass wir müssen. Dass es dort in Santa Marta nur darum geht, diesen Prozess zu organisieren. Nicht mehr, nicht weniger. Das, worauf es ankommt. No negotiations. Implementation.
Wir alle wissen, wie abhängig wir von den Fossil Fuels sind, und daher sagte einer der anwesenden Journalisten, halb im Scherz: It is a kind of self-help group for states that want to help themselves overcome their addiction to fossil fuels.
Wenn ihr euch etwas Gutes tun wollt, macht euch einen Tee und nehmt euch eine Stunde Zeit für die begründete, ansteckende Zuversicht, dass wir unsere Sucht beenden können. Dass sich eine Welt denken und leben lässt ohne das Verbrennen von fossilem Zeugs.
Wenn ihr mehr wollt, könnt ihr den live Streams folgen.
So weit, so wunderbar. Drücken wir ihnen die Daumen.
Besonders, wie soll ich sagen, pikant fand ich, dass die nächste Klima COP drei Tage vorher am 21. und 22. April bei den Petersberger Klimadialogen in Berlin vorbereitet wurde. „Deutschland lädt ein“ heißt es dann. Und ich dachte: Wie merkwürdig muss das in der Welt aussehen, dass hier ein Staat einlädt, der eigentlich inzwischen zu den Fossil Fuel States gerechnet werden muss. Falls hier jemand einen direkten link zu Meeresthemen braucht: Korallensterben, Fischmigration, Versauerung, Heat Waves, Todeszonen … Ich dachte noch, kann ich doch so nicht schreiben. Bis mir ein Kollege das Cover der Woche schickte